Die MANZ Beletage: Von Tradition und Innovation
Am Kohlmarkt, zwischen Looshaus und der „K.u.K. Hofzuckerbäckerei Demel“, befindet sich derzeit noch die letzte juristische Fachbuchhandlung Wiens. Bekannt ist das Gebäude nicht nur für die hochwertige Fachliteratur im Inneren, sondern auch für das vielleicht schönste Portal der Stadt, das – inklusive MANZ-Schriftzug – im Jahr 1912 vom Architekten Adolf Loos gestaltet wurde.
MANZ selbst ist in den Räumlichkeiten der Buchhandlung eingemietet. Um Mietkosten auf „Kohlmarktniveau“ wirtschaftlich darstellen zu können, braucht es entsprechende Kundenfrequenz. Die ist seit Jahren tendenziell rückläufig, auch wenn sich die Umsätze im Buchgeschäft insgesamt für MANZ nach wie vor auf einem hohen Niveau bewegen.
Der MANZ Webshop boomt
„Mit der fortschreitenden Digitalisierung bei Anwält:innen, Steuerberater:innen und Richter:innen haben sich Kaufverhalten und Bedürfnisse geändert“, erklärt Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin von MANZ. „Unsere Webshop-Umsätze sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Kund:innen bestellen immer häufiger online oder rufen an.“
Angesichts dieser Entwicklungen, die durch die Coronazeit noch verstärkt wurden, ist die Konzentration auf alternative Vertriebskanäle abseits des stationären Geschäfts nur ein folgerichtiger Schritt. Mitte Juni 2023 schließt daher die Buchhandlung MANZ ihre Pforten. Die zurzeit am Standort beschäftigten Mitarbeiter:innen freilich bleiben dem Verlag erhalten.
Das Loos-Zimmer zum Loos-Portal
Auch in Zukunft bleibt MANZ der Buchhändler Ihres Vertrauens. Ausgeliefert wird über die etablierten Zustelldienste (DPD, Post) sowie in den inneren Bezirken Wiens auch per Fahrradbot:innen. Die frei werdenden Ressourcen werden der Entwicklung der Rechtsdienstleistungen und den im Recht tätigen Akteur:innen zugutekommen. „Wir investieren damit nun noch stärker in Digitalisierung, neue Technologien und hauseigene Lösungen.“
Das ikonische Loos-Portal ist denkmalgeschützt und bleibt somit erhalten. Was weniger bekannt ist: Auch im Stockwerk darüber hat Adolf Loos – als Innenarchitekt – seine Spuren hinterlassen. Deckenleuchten, Wanduhren, Schreibtische, Besprechungstische, Stühle und andere Möbel in den Räumlichkeiten über der Buchhandlung wurden vom Wegbereiter der modernen Architektur entworfen. Hier befindet sich auch das berühmte „Loos-Zimmer“, einst das Chefbüro von Diplomkaufmann Franz Stein.
Boris Podrecca als Beletage-Architekt
Im Herbst eröffnet hier die „Beletage“, ein Kommunikationszentrum für individuelle Autoren- und Kundengespräche samt Ausstellungsfläche für aktuelle MANZ-Werke, einem Studio für Webinare der MANZ Rechtsakademie und für Podcasts.
Für die Umsetzung konnte der renommierte Architekt und Loos-Kenner Boris Podrecca gewonnen werden. Podrecca hat nicht nur Firmengebäude, Wohnbauten und Hochhäuser bis hin zum Wiener Millennium Tower (gemeinsam mit Gustav Peichl und Rudolf F. Weber), sondern auch große Platzgestaltungen für zahlreiche Städte entworfen.
Anklänge an die „American Bar“
An die offene Gestaltung öffentlicher Räume fühlt man sich angesichts des innenarchitektonischen Ansatzes erinnert. „Schon beim Betreten erfasst der Besucher mit einem Blick alle Räumlichkeiten“, erklärt Podrecca. Ein Band aus Mineralwerkstoff im MANZ-Rot, das sich um die Wände zieht, umfasst Ausstellungsraum, Besprechungsraum und Loos-Zimmer. „Räume mit unterschiedlichen Funktionen werden damit sozusagen zusammengenäht.“
(c) PODRECCA ZT-GmbH
„Welthaltig“ wird die Beletage durch verspiegelte Wände – eine Anlehnung an die American Bar im ersten Wiener Gemeindebezirk, die von Loos 1908 eingerichtet wurde. „Es entsteht das Gefühl eines Paravent-Raumes bzw einer räumlichen Erweiterung. Außenwelt und Innenraum fließen ineinander über.“ Bedruckt sind die Spiegel mit juristischen Zitaten – sowohl Klassiker wie auch Texte jüngeren Datums. Auch das Paragrafensymbol findet sich als Gestaltungselement wieder.
Das Loos-Zimmer als Schatulle
Das Loos-Zimmer selbst sieht Podrecca als „Schatulle“. Dieser zeitlose Schatz wird sorgfältig konserviert. „Der Raum hat eine einmalige Atmosphäre und eignet sich optimal für ein Tête-à-Tête mit einem Gast.“ Ab Herbst 2023 können hier nun Gespräche mit Autor:innen, Partner:innen sowie Kund:innen von MANZ stattfinden. Darüber hinaus steht die Beletage für Veranstaltungen und Buchpräsentationen zur Verfügung.
Abgesehen von Büros wird auch ein hochmodern ausgestatteter Medienraum eingerichtet – inklusive Schallschutz, Projektor und Green Wall. Hier können künftig Webinare und Podcasts aufgezeichnet oder auch live ausgestrahlt werden.
Gekürzte und bearbeitete Version der Coverstory der Zeitschrift RECHTaktuell. Weitere Details zur Beletage und zu den Digitalisierungsplänen des MANZ Verlags finden Sie in der Printausgabe sowie im ePaper. Auch künftig bleibt MANZ der Buchhändler Ihres Vertrauens: Bestellungen im Webshop, via E-Mail oder über die Bestellhotline unter +43 1 53161 DW 100 (Mo–Do 8.00-17.00, Fr 8.00–14.00).